Jun 2006
Der blecherne Berlingo
Gestern habe ich eine Probefahrt mit dem Citroen Berlingo gemacht -- und war dann doch überrascht. Von Außen wirkt der Wagen noch einwandfrei, alles solide verarbeitet. Der Testwagen war drei Jahre alt und ließ keine Alterserscheinungen erkennen. Aber dann: Das Geräusch der schließenden Tür war extrem blechern, herzlich willkommen in Frankreich. Die Sitze waren ok, es geht natürlich fester, aber man will ja nicht überkritisch sein.

Erstmal blieb ich mit meinen etwas spitzeren Schuhen (Größe 43) in einem Kabel über dem Kupplungspedal hängen. Also nur mit halben Fuß aufs Pedal. Der Rest der Bedienung war ok, die Fahrt ging los. Der 1400er Motor mit 55 kw / 75 PS ist für den Berlingo mit rund 1200 kg Leergewicht ausreichend. Man kommt im Stadtverkehr mit, ohne sich untermotorisiert zu fühlen, mehr ist aber auch nicht drin. Auch auf der Landstraße ist man gut unterwegs, solange man nicht bei 100 km/h noch überholen will. Die Lenkung ist leichtgängig, direkt und vermittelt guten Straßenkontakt -- und nein, das ist kein Widerspruch in sich. Auch in einem zu schnell durchfahrenem Kreisverkehr ist die Straßenlage einwandfrei, trotz der hohen Karosserie.

Also, wie ist das Fazit? Das Gefühl, in einer Blechbüchse zu sitzen und nur mit Zehenspitzen die Kupplung treten zu dürfen, verdirbt einem leider den Spaß an dem eigentlich guten Konzept des Berlingo. Der Motor ist sicherlich für die tägliche Fahrt zum Kindergarten vollkommen ausreichend, mit maximaler Zuladung von 500 kg über die Kasseler Berge muss man wohl Geduld mitbringen. Das Platzangebot ist für ein Kompaktwagen von 4,10 m (auch Golf-Klasse genannt) natürlich perfekt, das Kofferraumvolumen ebenfalls.

Am Ende ist man ratlos. 2007 soll Citroen den Nachfolger des Berlingo vorstellen. Hoffentlich wird da auf die zarten Gefühle der deutschen Autofahrer mehr Rücksicht genommen.
Jammern mit dem ADAC
Da macht sich der ADAC mal wieder stark für die armen Autofahrer, die viel zu viel bezahlen müssen für ihr Grundbedürfnis auf das Bewegen von Kraftfahrzeugen. Als Beispiel wird eine Familie gezeigt, die vor einem alten Opel Frontera Geländewagen steht. Tja, jeder, der sich mit Gebrauchtwagen beschäftigt, weiß, wie hoch da die Kosten bei Versicherung und Steuern sind, von dem gigantischen Verbrauch mal zu schweigen. Mit einen Zafira Diesel wäre Familie Mustermann wohl bequemer und drastisch billiger unterwegs, aber bevor man umdenkt, lässt man sich lieber vom ADAC in eine zweifelhafte Kampagne einspannen.

Na dann mal viel Spaß mit den Autos von gestern und den Benzinpreisen von heute.